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Archive for Januar 2014

Annektierter Velostreifen multikultimässig nett arrangiert

Zwischenmülllager

Velostreifenzwischenmülldeponie an der Tödistrasse am 6.1.14, garniert mit Autos

Es scheint immer mehr und öfters in Mode zu kommen, die Velowege abenteuerlich multifunktional in Multikulti-Manier zu nutzen so wie ich das heute wiedermal an der Tödistrasse seeseitig umfahren musste: Stilleben mit Velostreifen, Autos, insgesamt 6 Containern, ausrangiertem Halbtrockenbaum, der schon bessere Tage sah, und sonst noch etwas Holzmüll, nett arrangiert…

Das Ganze hat eine Vorgeschichte
An dieser Stelle stehen regelmässig diese oder ähnliche Arrangements auf dem Velostreifen gebüschelt werden, manchmal ohne Container dafür mehr Autos oder autofrei, dafür umsomehr Container.
Ich fahre zwar nicht oft dort durch, aber c.a. jedes 2. Mal, wenn ich diese Stelle passiere, wird der Velostreifen als Zwischenmülllager für irgendwas benutzt.

Die Geschichte

Erst meldete ich diesen Infrastrukturmangel anfangs Juni bei zueriwieneu.ch, weil bei solchen Arrangements, egal mit wieviel Liebe sie da hingehätschtelt wurden, der Velostreifen nun mal einfach nicht mehr nutzbar ist, es sich um einen Mangel an der Infrastruktur handelt.

1. Meldung an zueriwieneu

Zwischenmülldeponie vom 10.6.13, inkl. Quotenauto

Velostreifenzwischenmülldeponie vom 10.6.13, garniert mit Quotenauto

Velostreifen als Zwischenmülldeponie So präsentierte sich heute Morgen ca. 10 Uhr die Tödistrasse nahe beim General-Guisan-Quai. Ich habe auch schon angerufen wegen der illegalen Deponierung von Gegenständen auf dem Velostreifen, aber anscheinend war das zuwenig nachhaltig. Ok, damals wars ein Mittwoch, heute ist es Montag… Das gleiche Fänomen der Zwischenmülldeponie auf dem Velostreifen auch schon beobachtet an der Beatengasse

Erst kam der Bestägigungslink, den ich klickte.
Ein paar Stunden später die mich stark irritierende Antwort. Diese Reaktion seitens zueriwieneu.ch hat mich etwas unerwartet erwischt.

2. Antwort A von zueriwieneu

Ihre Meldung wurde aufgrund des Inhalts zurückgewiesen. Dies kann
verschiedene Gründe haben wie zum Beispiel unzureichenden, nicht
nachvollziehbaren oder diskriminierenden Inhalt.
Bitte geben Sie die Meldung nochmals, mit möglichst detaillierten,
sachlichen Informationen ein.

Darob habe ich mich hintersinnt. Was war an meiner Meldung nicht nachvollziehbar oder diskriminierend? Sind Container arrangiert mit Autos eine Religion und wenn ich mich darüber äussere, weil sie in meinem Fahrbereich stationär deponiert sind, ich mich des berollt arrangierten Antivierradismus schuldig mache? Oder handelt es sich bei der bevierräderten zwischendeponierten Objektgruppe eher um eine Rasse und ich mich wegen meiner Aussage als Rassistin oute?

2. Antwort B von zueriwieneu in einem separaten Mail

Besten Dank für Ihre Meldung auf «Züri wie neu». Weil dies keinen Mangel an der Infrastruktur der Stadt oder an der Sauberkeit betrifft, haben wir Ihre Meldung nicht aufgeschaltet. Weil Ihr Anliegen aber dennoch eine für uns wichtige Rückmeldung aus der Bevölkerung bedeutet, haben wir sie an die verantwortliche Stelle zur Prüfung weitergeleitet. Für Ihr Engagement für ein sauberes Zürich bedanken wir uns bestens.

Was heisst das wohl konkret, „zur Prüfung weitergeleitet“? Was gibt es da zu prüfen, wenn der Velostreifen regelmässig verstellt und damit unpassierbar ist? Ich hätte mir eine deutlich andere Reaktion gewünscht!

3. Reaktion auf Antwort von zueriwieneu

Für mich als Velofahrerin ist ein nichtbenutzbarer Velostreifen, infolge Drittnuztung, vermuteterweise ohne offizielle Bewilligung, definitiv ein Mangel an der Infrastruktur.
Zudem, diese Art der Zwischenmüllnutzung mit Auto garniert an der Tödistrasse erlebe ich ja nicht das erste Mal. Meistens steht dort etwas drauf, was nicht drauf gehört, wenn ich dort durchfahre.
Sauber ist das jedenfalls nicht.

Eine Antwort darauf ist nie in meinem Postfach angekommen.

Ich habe dann 10 Tage später über das Kontaktformular an die Stadt Zürich geschrieben, weil nun diesmal auch gleich noch der Abtransportservice ein mittleres Verkehrschaos verursachte, als ich durchfahren wollte

4. Kontaktformular der Stadt Zürich

Velostreifenzwischenmülldeponie wird entdeponiert, Verkehrschos inkl.

Velostreifenzwischenmülldeponie wird entdeponiert, Verkehrschos inkl.

Bis wann kann ich damit rechnen, dass der aktuell regelmässig verstellte Velostreifen an der Tödistrasse nahe beim General-Guisan-Quai permanent von Müll und Autos befreit ist?
Ich nehme an, bekämen die Besitzenden der (Zwischenmüll) Deponierten-Teile die dafür im Bussenkatalog vorgesehene Luxusparkplatzgebühr in Rechnung gestellt, wäre das Problem blitzartig…
Von 2x die ich dort eher unregelmässig durchfahre steht mindestens 1x etwas drauf, das nicht wirklich billig ist, dorhin zu stellen.
Das Bild stammt vom 10.6., heute so gegen 9:10 war da auch noch der Kübelwagen, der Kartoncontainer blieb jedoch gefüllt, gestern wars „nur“ ein parkiertes Auto, auch schon warens deutlich mehr Container usw.
Danke dass sie sich auch um die vorgesehene Nutzbarkeit von Velostreifen kümmern.

Vom Feedbackmanagement der Stadtpolizei erhielt ich gleichentags eine sowohl viel- wie auch nichtssagende Antwort.

5. Antwort vom Feedbackmanagement der Stadtpolizei

Das Gesetz verbietet das Parkieren von Fahrzeugen auf dem Radstreifen, über Müllcontainer schweigt es sich aus (VRV Art. 19 Abs. 2 Bst. D). Es steht auch nirgends, dass Velofahrer die Fahrbahn nur im Bereich des Radstreifens benützen dürften. Sie dürfen also, die nötige Vorsicht vorausgesetzt, den Radstreifen zum Ausweichen auch verlassen.
Das parkierte Auto nehmen wir gerne als Hinweis auf, dort vermehrt Kontrollen durchzuführen. Dagegen können wir etwas tun. Mit den Müllcontainer auf dem Radstreifen müssen Sie wohl oder übel leben. Es gibt keine bessere Lösung. Weder Trottoir noch Fahrbahn sind besser und ich bin sicher, auch Sie sind froh, wenn die Müllabfuhr funktioniert und der Müll nicht stinkend im Gebüsch nebenan liegt.

Damit hatte ich nun nicht gerechnet, ich war sprachlos. Ich darf also den Radstreifen zum Ausweichen auch verlassen….. wow! Autos dürften zwar nicht parkiert werden, aber Container sollen einfach so kostenlos… damit das Quartier nicht stinkt….. Das interessiert mich doch nicht, in bin dort in 10 Sekunden durchgefahren und bei uns hat es einen Containerraum. Dort bin ich auch in 15 Sekunden wieder draussen, wenns stinkt.
Zudem, weshalb muss ich mit meiner Miete den Containerraum in unserer Liegenschaft mitfinanzieren aber gleichzeitig über mein Steuergeld auch den Containerstellraum dort an der Tödistrasse? Andernorts mussten Containernischen geschaffen auf privatem Grund…

Apropos Feedbackmanagement, der Brief ist zwar ein Feedback auf mein Schreiben, aber weshalb erhalte bezüglich Stil und Ton den Eindruck, bei der städtischen Kundinnen- bzw. Veloabwimmelstelle gelandet zu sein?

6. Reaktion auf Antwort des Feedbackmanagements

Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben, meine Anfrage zu beantworten.
Dass ich als Velofahrerin regelmässig am gleichen Ort dem Verkehrshindernis Zwischenmülldeponie auf dem Velostreifen „mit der nötigen Vorsicht ausweichen soll“, klingt für mich nach einem schlechten Witz mit bitterem Nachgeschmack und deshalb kann ich das so nicht nachvollziehen!
Wozu gibt es Velostreifen, wenn sie als Zwischenlager für was auch immer stundenlang okkupiert werden dürfen?
Auch sonstige Flächen der öffentlichen Hand dürfen nur mit entsprechender, üblicherweise kostenpflichtiger Bewilligung, benutzt werden, wenn überhaupt.
Die Tödistrasse ist ein paar hundert Meter lang. Eingangs Tödistrasse ist der einzige Ort, wo ich relativ oft Containern als Verkehrshindernis begegne, andere sind mir jedenfalls noch nie aufgefallen. Das ist ja wohl kaum das einzige Gebäude, in dem Container benutzt werden an dieser Strasse?
Auch sonst habe ich noch selten Container auf den Zürcher Strassen gesehen, manchmal auf Gehsteigen, bis auf die Beatengasse, wo ich einmal ca. 10 Container nebeneinander auf dem Veloweg angetroffen habe und zweien an der Gartenhofstrasse (Zweierstrasse), wobei dort der Veloweg ausserhalb der Containerstandorte auf der Strasse markiert ist.
Da die Container 4 Räder haben, könnten sie z.B. als fahrzeugähnliche Geräte durchgehen, sie werden ja auch mit Muskelkraft dorthin transferiert.

Da Container zwar körperkraftgetrieben sind, aber nicht wirklich der Fortbewegung dienen, ist dafür wohl eher Artikel 4 des Strassenverkehrsgesetzes zuständig, der sich mit Verkehrshindernissen beschäftigt
http://www.admin.ch/ch/d//sr/741_01/a4.html
Aus meinem Verständnis dieses Artikels müsste also zumindest eine Bewilligung existieren, an diesem Ort regelmässig mehrere Container für mehrere Stunden verkehrsbehindernd zwischenzulagern.

Auch hier habe ich nie eine Antwort erhalten.

Übrigens, obig verlinkter Artikel sagt folgendes aus

Art. 4
Verkehrshindernisse
1 Verkehrshindernisse dürfen nicht ohne zwingende Gründe geschaffen werden; sie sind ausreichend kenntlich zu machen und möglichst bald zu beseitigen.
2 Wer die Strasse aufbrechen, zur Ablage von Materialien oder zu ähnlichen Zwecken benützen muss, bedarf einer Bewilligung nach kantonalem Recht.

Die Zwischenmülldeponien auf den Velostreifen widersprechen definitiv Absatz 1., vermuteterweise auch Absatz 2.

Was wären die nächsten Schritte in dieser Sache?

Ich bin ehrlich geschrieben etwas ratlos. Und der Velostreifen wird weiterhin frisch und fröhlich als Zwischenmülldeponie verwendet…
Wer verteilt solche Zwischenmülldeponiebewilligungen auf dem Velostreifen?
Heute bin ich per Zufall auf folgendes PDF gestossen Verordnung über die Benutzung des öffentlichen Grundes (Benutzungsordnung). Aber welcher Teil nun genau auf die Zwischenmülllager zutrifft, habe ich noch nicht herausbekommen.

Wie will die Stadt Zürich das ambitionierte Ziel der 2000 Watt-Gesellschaft erfüllen, wenn es von offizieller Seite her durchaus gestattet ist, die Velostreifen regelmässig zu verstellen mit Dingen, die nun wirklich nicht dorthin gehören? Wie lassen sich die Bussen für auf Velostreifen parkierte Autos rechtfertigen, wenn im gleichen Velostreifen Müllcotainer stehen dürfen? Weshalb zieht die Stadt diese Luxusparkplatzgebühren nicht regelmässig ein? Hey, dann müsste ich bald keine Steuern mehr bezahlen 😀

Zwischenmülldeponie in der Beatengasse vom Dezember 2012 ohne Quotenauto

Velostreifenzwischenmülldeponie in der Beatengasse vom Dezember 2012 ohne Quotenauto

Wie wäre die Reaktion, wenn die Container mitten auf der Strasse deponiert und den Autoverkehr behindern würde? Oder wenn an der Beatengasse die Container auf den Parkplätzen vis-à-vis zum Abholen bereitgestellt würden? Wie lange würde das Zwischenmülllager durchhalten, bevor es kostenpflichtig abtransportiert wird?

Weshalb wird das Gleiche ohne Aussicht auf Veränderung ganz selbstverständlich auf den Velostreifen erlaubt und zwingt Velofahrende auszuweichen u.U. auch zu gefährlichen Manövern? Insbesondere an der Beatengasse ist der Platz extrem knapp.

Weshalb werden Velofahrende zu Böölifrauen und Böölimännern im Strassenverkehr gemacht?
Sind nicht Velofahrende die unerkannten Milchkühe der Nation, denn mit ihrem Steuergeld werden zwar frisch und fröhlich Autostrassen gebaut und unterhalten, aber für Velos werden die Wege weder konsequent freigehalten noch durchgängig auch für schnelles Fahren ausgelegt noch sinnvoll und logisch nachvollziehbar ausgeschildert. Im Gegenteil, manchmal sogar lebensbedrohlich, wie die Bahnhofquaiunterführung zeigt – dort wo die Soll an toten und verletzten Velofahrenden noch nicht erreicht wurde, um den unsäglichen Velostreifen, der ins Abseits lullt und deshalb zu lebensgefährlichen Manövern führt endlich abzuschminken.
Velos sind Verkehrmittel 3. Klasse auf den Strassen Zürichs, obwohl der Steuersatz derselbe ist.

Hast du ähnliches erlebt, denn ich nehme an, das ist nur die Spitze des Eisberges, der regelmässig auf Velostreifen deponiert wird…

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